Freies Baden Billings

Gemeingebrauch

Gemeingebrauch so nennt der Jurist das jahrhunderte alte Recht der Menschen auf freien Zugang zu Wegen, Wald und Wasser. In 16 Landeswassergesetzen der deutschen Bundesländer fällt unter Bezugnahme auf WHG § 25 dabei das Baden. In drei Bundesländern davon (Hessen gehört dazu) ist es leider erst einmal grundsätzlich untersagt in Seen zu baden, die Entscheidung, ob gebadet werden darf, liegt bei den Wasserbehörden. Ob in letzter Instanz diese pauschale Herangehensweise wirklich rechtens ist, halte ich für juristisch unklar. In 13 Bundesländern gilt diese Herangehensweise Hessens nicht als rechtssicher.

Baden ist in stehenden Gewässern im Prinzip sicher und Schwimmen sogar gesund – also lebenserhaltend. Zwar sterben pro Jahr nach DLRG-Quellen leider zwischen 130 und 200 Menschen in den deutschen stehenden Gewässern, doch ist davon auszugehen, dass bei fast allen Fällen Umstände die Ursache waren, die mit dem Gewässer selbst rein gar nichts zu tun hatten. Keiner kommt auf die Idee Joggen oder Sex zu verbieten, nur weil dabei eine ganze Reihe von bedauernswerten Personen dabei einen Herzinfarkt erleiden und zu Tode kommen. Wenn eine Behörde für den See ein Badeverbot aussprechen kann, so ist dies nach heutigem Wissensstand ausschließlich die Untere/Obere Wasserbehörde und das nur, wenn Beweise vorliegen, dass das Baden im betreffenden See wirklich gefährlich ist. Nun wird der Steinbruchsee in Billings, von offizieller Seite bestätigt, häufig zum Baden genutzt, ohne dass Badeunfälle in jüngster Zeit bekannt geworden sind: folglich ein Beweis für Bade-Unbedenklichkeit


Baden verboten ?

Der Angelverein spricht als Pächter des Sees auf mannigfaltigen Schildern ein Badeverbot aus. Nach der Rechtslage oben darf er das gar nicht. Wenn ich Personen den Zugang zu öffentlichem Grund verwehre, so kann das sogar als Nötigung angezeigt werden. Auch eine Gemeinde darf ein Recht auf freien Zugang zu Wald und See nicht durch Pacht ausschließen, sondern kann nur die naturschutzgerechte Teilnutzung des Sees verpachten.

Der Angelverein sollte alles tun, um den Ball flach zu halten, denn wenn es sich herausstellt, dass das Baden im See tatsächlich gefährlich ist, so ist auch das Angeln selbst am See gefährlich und unter Umständen zu verbieten oder so einzuschränken, dass nur noch mit Schwimmweste geangelt werden darf. Das Besondere an dem See ist die Wasserqualität und die besonderen Lebewesen im See, inwieweit das Einsetzen von Fischen mit dem gebotenen Naturschutz zu vereinbaren ist, mögen andere beurteilen. Ein Mitglied des Vereins, dessen lokale Verbundenheit sich dadurch ausdrückt, dass er mit seinem SUV mit Kennzeichen aus dem Ruhrgebiet unmittelbar am See herumfährt, ruft regelmäßig die Polizei mit dem Ziel, Badegäste zu vertreiben. Ob eine Aktivität der geschätzten Ordnungshüter mit dem Ziel, den Gemeingebrauch hier am See einzuschränken, juristisch abgesichert ist, solltet Ihr Euch mal vor Ort erklären lassen. Bei der hier geschilderten Rechtslage wäre es für die öffentliche Ordnung sicher besser, wenn die Polizei ihre Kraft und Zeit für eindeutige und wichtige Vergehen einsetzen könnte.


Ich bin in diesem Jahr ca. 10 mal am See gewesen und habe jeweils höchstens 20 Leute (vorwiegend jüngere) angetroffen – Randale gab es nie – null.


Die Gemeinde Fischbachtal erweist sich selbst einen schlechten Dienst, wenn sie eine öffentliche Diskussion an dieser Stelle schürt und den Kleinkrieg gegen Naturliebhaber unterstützt.

Fremdenverkehrsmäßig ein arges Eigentor – Rollerückwärts für das Ortsmarketing.


Badeseebenutzern rate ich, sich nicht vertreiben zu lassen und auf die Rechtslage hinzuweisen. Ansonsten bitte brav zu Fuß oder mit dem Rad zu kommen, sich an der Natur zu erfreuen, keinerlei Müll zu hinterlassen, die Corona-Regeln zu befolgen, nicht im Parkverbot parken – und kein Feuer im Wald – logisch.


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